Montag, 12. März 2012

De la vida cotidiana y la fiesta de Yunsa.





Es ist immer noch Sommer, in meinem Klassenzimmer kohabitiere ich friedlich mit Skorpionen und Grillen (und immer noch ziemlich vielen Mücken, die aber nicht mehr so schlimm pieksen), und alles ist staubig und sandig, woran ich mich aber schon laengst gewoehnt habe. Die Hitze geht nochmal in die vollen, und ab 11 Uhr morgens werden tatsaechlich alle Bewegungen so träge, dass man den eigenen Koerper kaum wiedererkennen mag. Abends aber kann man nach wie vor fein in den Dünen spielen, mit Manuel Ziegen hüten gehen oder mit den Kindern Samen pulen und Maiskornmosaike legen. Nachdem die Baumwollkinder nach und nach in ihre Doerfer zurueckgekehrt sind, die ansaessigen Kinder es aber noch nicht fuer noetig halten, in der Schule zu erscheinen, nutze ich die Zeit fuer ganz viel TiNi-Arbeit. So haben jetzt endlich auch Grecia und Cristofer, Luchito, Nicol und Jesus ihre TiNis bekommen, eigentlich Nachbarn von mir, nachdem die aber nicht in der Dorfschule studieren, wurden sie bisher vom Projekt uebersehen. Und weil sie nicht in der Dorfschule studieren, sondern woanders bessere Bildung und Aufmerksamkeit bekommen, zeigen sie sich auch weitaus empfaenglicher fuer das Projekt als andere Kinder.

Natürlich auch ein paar Rückschläge, wie immer, damit muss man ja auch umgehen lernen. Leslis und Lidias Mama hat erneut ihre TiNi dem Erdboden gleichgemacht, um auf dem Platz ein Fest zu machen, dass dann doch nie stattfand. Marcos und Juan lassen ihre Gaerten voellig verwahrlosen. Und Milenia, obwohl sie giesst und sich kuemmert, kriegt in der Erde, die sie hat, einfach keinen Samen zum keimen. An manchen Stellen sind die Begebenheiten vielleicht einfach noch nicht so weit, dass das Projekt funktionieren kann...

Im BoNi leben noch 11 Bäumchen, von ursprünglich 20, aber die verblieben sind grün und gesund. Ich denke mir jedes Mal neue Tricks aus, das Wasser in die Dünen zu bekommen, nachdem alle umliegenden Brunnen inzwischen trocken sind. Per Anhalter, Esel, oder zum Wassertraeger umfunktioniertes Kind bzw. Kati war schon alles dabei. Letzte Woche war ich so verwegen, mit den Kindern im Cerro zu übernachten. Das ist schon recht aufregend, wenn eine Horde von 10 Wuselkindern mitten in der Nacht dann ueberall Lagerfeuer anzuendet, ein Teil stundenlang in den Dünen verschwindet und ein anderer Teil wild ueber die Schlaflager hüpft. Nicht zu vergessen die ca. 7 Hunde, die uns begleiten und mitten in der Nacht unvermittelt zu jaulen und zu kämpfen anfangen. Harte Probe für meine Gelassenheit.

Dann am vergangenen Wochenende das Yunsa-Fest, Sinnbild fuer alles, wogegen ich hier anzukämpfen versuche: Ein Baum wird ermordet, auf dem Dorfplatz mit hässlichen Plastikobjekten behängt und wieder eingegraben. Dann wird abends drum herumgetanzt und nach und nach werden verschiedene Leute ausgewaehlt, um mit dem Beil auf den Stamm einzuhauen. Dazu gibt es Cachina, angegorenen Traubensaft, und man bewirft sich mit buntem Talk. Wer den letzten Schlag tut, der den Baum faellt, muss im naechsten Jahr das Fest ausrichten. Dann stürzen sich alle wie vom Affen gebissen auf den armen gefallenen Baum, um ihm die haesslichen Plastikobjekte zu entreissen. Und schliesslich wird noch bei viel zu lauter Musik bis in die Morgenstunden ziemlich lahm Cumbia getanzt.
Ich hab das eine Weile mitgemacht, weil das Rundtanzen auch ganz lustig war, aber dann demonstrativ das Faellen abgelehnt und lautstark mein Mitleid mit dem Baum kundgetan. Und am morgen danach hab ich mit Chepi, einem grossen Baumfreund, eine Demo organsiert, fuer Yunsa 2013 - pflanzen statt fällen.

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