Donnerstag, 12. April 2012

Ania en Amantaní


Natuerlich reist ja auch meine Ania-Puppe mit uns, und oeffnet uns ueberall Herzen von Kindern und Erwachsenen, so auch am Titicacasee. Puno selbst allerdings wollte sie nicht sehen - viel zu viel Laerm und Dreck, am interessantesten der vollkommen veralgte und etwas uebelriechende "Oeko-Malecon", ein abgetrennter Teil des Titicacasees. Nach den einzigen interessant erscheinenden Sehenswuerdigkeiten der Stadt, dem liebevoll restaurierten Oldtimer-Schiff "Yavari" und dem winzigen Coca- und Folkloremuseum und dem mit Trachten, masken und religiosen Objekten vollgestopften Ladenmuseum einer Inkafrau, in das wir zufaellig stolperten, flohen wir daher auch gleich der Stadt, zuerst nach Chucuito mit raetselhaften, riesigen Stein-Phalussen und danach auf die beruehmten Inseln. Ueber die schwimmenden Urosinseln wird ja viel gelaestert, von wegen touristischer Fassade und wenig Authentizitaet, aber ich fand die Show eigentlich ganz schoen, man muss es eben mehr wie ein Freiluftmuseum sehen. Auch ein bisschen absurd, anzunehmen, dass man Leuten beim wirklichen Leben zuschaut, das waer ja wie wenn bei mir Touristen ins Wohnzimmer gucken, ein bisschen weird. Jedenfalls bin ich doch sehr zufrieden, diese kuriose Lebensform einmal gesehen zu haben, hegte ich diesen Wunsch doch schon seit Kindestagen, da mir die Mama einen Postkartenkalender mit Bildern aus aller Welt schenkte, dieses Bild ist mir bis heute in Erinnerung, und jetzt war ich selber ganz wirklich da.
Nach Uros gings nach Amantaní, wo wir von der bezaubernden kleinen Rut in Empfang genommen wurde, die uns zum Haus ihrer Familie fuehrte, wo wir von Mutter Luzmarie mit einem nach Chicha riechenden Zimmer, Quinoasuppe und verschiedenen Kartoffelsorten versorgt wurden. Anschliessend wurden wir von Rut und Bruder auf die beiden hoechsten Huegel (immerhin auf ca. 4300 Meter) gefuert, um zwei abgeschlossene Inkaruinen (Pachamama- und Pachatata-Tempel) von aussen zu begutachten. Die selbst waren maessig spannend, viel impressionanter war die Aussicht, bis nach Bolivien und ueber den ganzen immensen See, der sich mit dem anruecken der Gewitterwolken immer dramatisch tiefblauer faerbte. Und fuer mich das suesseste Detail war, wir Rut, die meine Ania sofort adoptiert hatte, den ganzen Weg in ihrem Blumenbestickten Rucksacktuch auf alle beiden Huegel schleppte. Dabei erklaerte ich noch Anias Mission, was darin endete, dass Rut und ich den Touristendreck vom Wegesrand aufhoben und halbwegs korrekt in den aufgestellten Muelleimern entsorgte. Das Schicksal dieses Muells allerdings endet dann doch am Strand oder im Feuer, wie wir am naechsten Tag bei der Abreise feststellen durften. Am zweiten Tag gings bei strahlendem (und braeunendem! in 6 Monaten an der Costa bin ich nicht so verbrannt wie in 3 Tagen auf dem Altiplano!) Sonnenschein ging die sehr gemaechliche Fahrt weiter nach Taquile, wo wir nach den ermuedenden 500 Stufen die ruhige (keine Autos und nur Solarstrom!), fast mediterran anmutenden Insel genossen. Die Stille nahm allerdings bald ein Ende, als mal wieder irgendwelche lauten Osterfeierlichkeiten einsetzten, und so kamen wir noch in den Genuss von den Anfaengen einiger traditioneller Taenze in wild-bunten Kostuemen von Drachen, Kobolden bis Gorillabaeren.
Unser Punoaufenthalt endete noch mit einer spannenden Nacht im Hospedaje Terminal Terrestre - direkt im Busbahnhof. Einschlafen zu den lauten Rufen der Buscompanz-Schreier.. Arequipaarequipaarequipaaaaaaa.... :)

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