Nachdem Chris uns nach einem gemuetlichen Szenebar-Pisco in Cuzco verlassen hat, fahren Kadi und ich im guenstigeren und wackligeren Schneckenbus du huebsche Strecke an die Kueste zurueck. Es ist so schoen, nach San Pedro zurueckzukommen! Auch wenn natuerlich die Stimmung insgesamt ein bisschen traurig war - ich weiss nicht, ob ich in meinem deutschen Zuhause schonmal von einem so grossen Prozentsatz der Einwohner so herzlich empfangen wurde. Wir bleiben ein paar Tage im Dorf, besuchen verschiedene Totenmessen fuer Gilbert, nehmen viel in den Arm und werden viel in den Arm genommen, und sind beruhigt zu sehen, wie Carmen nach Abreise all der anstrengenden Verwandten schon fast wieder die alte, ausgeglichene und liebe Frau ist und schon ganz gute Plaene fuers weitermachen hat.
Fuer uns geht es dann noch eine Woche nach Norden, erst nach Huaraz, selbt ausser dem Artesania-Markt recht unspektakular, viel schoener aber die Doerfer, die wir von dort aus erkunden. Zunaechst Yungay, das nach einem gewaltigen Erdrutsch 1970, auf dem heute zwischen den Truemmern ein aussergewoehnlich praechtiger Park protzt, nebenan komplett neu erstanden ist. Und in unserem Hostal werden wir so nett von der Señora umsorgt, bekocht, beplaudert und bestrickt, dass es uns richtig leid tut, dass wir am naechsten Tag gleich weiter ins unaussprechliche Humacchuco fahren, mitten in die Berge, zu einer unglaublich lieben Familie, die uns lecker Maissuppe, Cachangafladen, eine breite Auswahl Kartoffelsorten und selbst gefischte Trucha serviert. Und Sohn Ariel und Primo Danilo fuehren uns uns durch wilde Polylepsis- oder Quenual-Waelder zu der malerischen, tuerkisblauen Chinacocha-Lagune. Die wird in ihrer Schoen- Klar- und Blauheit nur noch von der noch hoeheren Laguna 69 uebertroffen wird, die wir am naechsten Tag erwandern.
Nach einer Diskonacht in Huaraz (wir versuchen angestrengt, Freitagnachts sehr guenstig ueber einer Musikkneipe zu schlafen) geht es ueber einen Pass mit kompliziertem Quechuanamen nach Chavin, und wieder rauben uns die Schoenheit der Strecke den Atem und ihre Kurven das magentechnische Wohlbefinden. Dort haben wir vor dem Regen dann gerade noch Zeit, auch die hiesige Aniaschule zu besuchen und uns bei der bezaubernden Filomena auf der Terasse ihres Restaurants einen passablen Zeltplatz zu organisieren. Wir kriegen Cedron-Tee fuer meine Erkaeltung und eine Fuehrung durch ihren Biohuerto, und finden es beide ein bisschen erschreckend, dass wir uns so sehr ueber die Existenz netter Leute freuen - so als sei das eine Ausnahme. Ist es in Wirklichkeit natuerlich nicht, aber manchmal muss man sich so arg ueber Inkompetenz oder Faulheit oder Betrugsversuche einzelner Locals aergern, dass der Kontrast uns so ins Auge sticht.
Die Ruinen haben wir dann am naechsten Morgen ganz fuer uns allein, spielen in den dunklen Labyrinthgaengen verstecken, staunen ueber die schiere Groesse der einzelnen Bausteine und der ganzen Anlage und amuesieren uns ueber die witzigen Fratzen, die die alten Chaviner dort hineingeritzt haben, um offenbar einzelne, berauschte Unglaeubige zu erschrecken. Wir aalen uns noch kurz in den heissen Schwefelquellen, um mal all den ganzen Reisedreck loszuwerden. So fahren dann ungewoehnlich duftend ins 3000 Meter tiefere Trujillo, was mir fast mein verschnupftes Gehoer zerplatzt, aber wir sind natuerlich zu stur um wegen ein bisschen Krankheit den Reiseplan zu aendern, und ueberhaupt, Meer tut ja bekanntlich ganz gut bei sowas. Wir sehen Chan Chan, riesige alte Lehmmauern mit huebschen Reliefen drin, die Huaca de la Luna mit wirklich beachtlichen bunten und perfekt erhaltenen Wandbildern, halten die Fuesse ins Meer, baumeln in Haengematten mit Maracuyasaft, kratzen die Bed-Bug-Bisse aus inzwischen sicher 15 Hostels und feiern Kadis Abschied mit viel kostenlosem Pisco mit ein paar peruanischen Oekos (peruanische Oekos!) am Strand und auf einem leider ziemlich langweiligen Geburtstag, auf den wir spontan eingeladen werden.
Kadis Flug nach dem Reisebuero-Pfusch neu zu organisieren kostet uns einen ganzen Tag Zeit, viele ausgeraufte Haare und mehrere Straenge Nerven, aber wir sind stark und kaempferisch, Kadi sitzt im Flieger, und ich bin wieder allein.. schoene Reise, und schoen, dass ihr zwei da wart! :)

Liebe Kaddi,
AntwortenLöschenes war ein wunderbarer Zufall, dass wir uns ausgerechnet in Peru über den Weg gelaufen sind, und dann auch noch so viel Urlaub zusammen machen konnten. Wir haben la aventura sehr genossen, und unsere bedbugbites jucken schon fast gar nicht mehr.... Viel Spass und Abenteuer und wild and romantic and dangerous weiterhin, und wir suchen schon nach einem Schokoladenkuchenrezept für Juli!
K. und C.