Von Marcos TiNi ist nichts mehr übrig. Seine Mama hat alles ausgerissen, weil sie den Platz für die dumme Taufe ihres Sohnes gebraucht hat. iQue rabia!Um mich zu beruhigen, habe ich noch am Tag der Entdeckung dieses Frevels einen Baum in die Schul-TiNi gepflanzt, Durasno (eine Art Aprikose). Er lässt die Blätter ein bisschen hängen, aber ich hoffe, er kommt durch.
Und es sind auch erfreuliche Dinge geschehen:

die Compostaje ist fertig, und bei der Auftaktstunde zu meiner Umweltdetektive-Spezial-Unterrichtsreihe für die Großen hab ich einiges Wissen über umweltfreundliches Verhalten zumindest theoretisch vorgefunden. Auch die Einstellung, dass Umwelt etwas Schützenswertes ist, stimmt schon - konkrete Umsetzung fehlt noch.
Mittwoch, zweite Stunde: Bäume umarmen:

Habe gelernt, mich über sehr kleine Fortschritte zu freuen, die die Kinder machen, und bin viel gelassener geworden (wie sonst Ruhe bewahren, wenn in der Mathestunde zwei Klassenstufen ihre jeweiligen Aufgaben nicht verstanden haben, weil sie nicht zugehört haben, ein zweijähriges Geschwisterkind das Klassenzimmer auseinandernimmt und ein anderes vor der Tür auf den Boden kackt, während zu alledem ein winziger, mitgebrachter Hund laut kläffend nach meinem Rocksaum schnappt). Aber neben den Erwartungen an die Kids habe ich auch meine Forderungen an mich selbst etwas gemäßigt. Die Verhältnisse sind, wie sie sind, teils gar gräulich - aber ich kann nicht mit einem Fingerschnippen die Welt auf den Kopf stellen, zumal ich in der Schule vielleicht 5 Kinder habe, auf die ich richtig Einfluss habe. Ich kann allerdings mit einem Spaten eine TiNi bauen und mit den Kids die ANIA-Geschichte lesen und einen Aktionstag zum Recycling für das Dorf machen. Und das ist auch schon was.
Und wie sollte ich Grünschnabel auch sofort wissen, wie man dieses Land am besten entwickelt? Wenn das so einfach wäre, wären ja wohl schon andere drauf gekommen...
Willy, der Taxifahrer, sagt, es wäre alles kein Problem, wenn die oben nicht so viel für sich einstecken würden der Staat mal richtig durchgreift. Don Gilberto dagegen erzählt, dass es nach der Agrarreform keine zehn Jahre vergangen sind, bis die Verhältnisse waren wie vorher - ein paar Leute mit viel Land, und viele Leute ohne Land, weil sie ihren Teil runtergewirtschaftet hatten und verkaufen mussten. Luchos knappe Antwort auf die Frage, was seiner Meinung nach entscheidend für die Entwicklung seines Landes sei: "Que el peruano deje de ser vago y flojo", dass der Peruaner aufhört, dumm und faul zu sein.
Willy anderseits sagt auch, dass in der Vorzeigestadt Arequipa eine ganz andere Mentalität herrscht - wenn man Müll fallen lässt, wird man darauf hingewiesen - Entschuldigung, sie haben wohl was verloren?
Development is about changing peoples minds, hab ich irgendwo gelesen und fand es sehr klug - aber sowohl über das wie, und auch das wohin dieses Wandels bin ich mir immer noch unsicher.
Werden die Kinder jemals wirklich verstehen, dass der Müll hässlich ist, wenn ich hier 6 Monate lang von sauberer Umwelt schwärme, während bei ihnen daheim ihr ganzes Leben lang worst practice geschieht, wenn der Dreck für sie so normal ist, dass es sie bis dato nie gestört hat?
Ay caramba.
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