Wieder in San Pedro. Die Kinder haben Ferien, und bleiben zu Hause, gelegentlich kommen ein paar um mit den Laptops zu spielen. Nachdem das nur drei Stück sind, nutze ich diese Gelegenheiten um mit denen, die gerade Pause haben, ein bisschen Projektarbeit zu machen und in der TiNi zu spielen und zu arbeiten. In ganz vielen Pflanzen sind die Samen gereift, und ich kann mich stunden lang mit meinem Kätzchen auf dem Schoß in den Schatten setzen und Radieschenschoten auspulen. Sehr meditativ.
Nachmittags besuche ich nach wie vor die Kids daheim. Im Februar findet der diesjährige TiNi-Wettbewerb statt, und vor allem in San Jacinto müssen einige Gärten ein bisschen auf Vordermann gebracht werden. Weil, Wasser ist knapp, und das Kind aus San Jacinto ist ja an sich schon faul, aber wenn es heißer Sommer ist und der nahe Brunnen trockengefallen ist, und man am Vormittag die ganze Zeit im Baumwollfeld war, sitzt man natürlich lieber am Fernseher als die Blumen mit Wasser von weit her zu gießen. Ich glaube, überhaupt der beste Beitrag zur (Umwelt-)Bildung in diesem Land wäre, die Fernsehsender zu besetzen und nur noch Sendung mit der Maus oder was anderes halbwegs sinnvolles auszustrahlen. Aus der Glotze lernen die Kids viel mehr als in der Schule.
Naja, jedenfalls hat jetzt mindestens Milenia schonmal wieder ein paar lebende Pflanzen bekommen und ein Tröpfchenbewässerungssystem, das vielleicht hoffentlich die Lösung ist.
Und dann sind wir jetzt dreimal die Woche im Cerro, um das mit dem Bosque de Ninyos voranzutreiben. Auch das ist allerdings nicht leicht, denn es gibt offenbar Menschen, denen es Freude bereitet, frisch gepflanzte Bäumchen ausreißen und im Sand sterben zu lassen. Ich arbeite noch daran, das zu verstehen. Zum Glück ist Hilfe aus den Bergen gekommen. Die Baumwollkinder sind superlieb und sehr motiviert, die Bäumchen zu gießen, wenn man ihnen danach ein Bad im Brunnen in Aussicht stellt.
In Wirklichkeit ist das mit der Baumwolle nämlich auch garnicht so wild. Heute hab ich selbst mitgepflückt, und ich habs allen gezeigt, dass auch Gringas Baumwollpflücken können. Man stürzt sich zwischen die dicht stehenden Pflanzen und sammelt alles weiße und flauschige ein und stopft es in den Sack, den man sich um die Hüfte gebunden hat. Ganz leicht. Der Feind ist nur die Sonne, darum muss man schon um 5 in der Früh anfangen, und die Stupidität der Aufgabe, die mir noch wie Entspannung vorkam, sich aber nach drei Pflückmonaten sehr wahrscheinlich in pure Langeweile verwandelt. Achja, und die indische Baumwolle, die wegen irgendeinem blöden Freihandelsabkommen billig ins Land kommt und die Kleinbauern in San Pedro in den Wahnsinn treibt. Für die 75 Pfund Baumwolle, die ich in den 7 Stunden gepflückt habe, habe ich nämlich gerade mal 15 Sol bekommen. Zum Glück bin ich nich drauf angewiesen...
So bin ich wieder um eine Erfahrung reicher aus der vida campesina, wobei noch erwähnt werden muss, dass ich inzwischen auch Eselgeritten bin und wohl erstmalig legal Feigengeraubt hab. Und eine illegale Melone, mit den Kids. Die werden mir zwar normalerweise auch geschenkt, wenn ich nur am Melonenfeld vorbeilaufe, aber so wars viel aufregender :)
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