Wieder mal war ich San Pedro untreu und eine Woche in Chincha unterwegs, in Alto Laran auf Ania-Fortbildung. Nicht dass ich das inhaltlichn ach nunmehr 4 Monaten TiNi-Arbeit noch dringend gebraucht hätte, nichtsdestotrotz sehr erhellende Tage mit grossartiger Besetzung, verschiedenen TiNi-Besuchen, praktischer Anwendung, jeden Morgen Yoga, Qi Gong oder Tai Chi, und jeder Menge positiver Energie. Joaquín, der Gründer und geistiger Papa von Ania, ist wunderbar charismatisch und begeistert bei der Sache, was unglaublich mitreisst. Ich habe südamerikanische Ökos kennengelernt, was mir sehr gut getan hat, mal wieder mit Leuten zusammen zu sein, die auf der gleichen Welle reiten und mich nicht als Absurdum sehen, das hier als lustiger Hippie versucht die Welt zu retten, weil es offenbar zu viel Zeit übrig hat :D Alto Laran ist ausserdem ein regelrechtes TiNi-Dorf, und trotz knapper Ressourcen (obwohl nicht sooo knapp wie in San Pedro oder gar San Jacinto) spriessen die TiNis nur so aus dem Boden, und alle wollen mitmachen und sind überhaupt toll.
Jetzt, wo ich voll bin mit neuen Ideen und mein Ania-Konzept frisch gestärkt wurde, ist vielleicht ein schöner Moment, das mit den TiNis und so mal genauer zu erklären. Wir beginnen damit, bei den Kindern ansatzweise ein Problembewusstsein zu entwickeln, indem darauf hingewiesen wird, wo es dem Planeten schlecht geht, verdreckte Natur, misshandelte Tiere undsoweiter. Dann kommt Ania ins Spiel, (inzwischen als ganz niedliche (Recycling-)Stoffpuppe auch in natura in San Pedro vor Ort) und macht ihren Job ganz grossartig, indem sie sich nämlich allein mit ihrem lieben Gesichtchen schon in die Herzen der Kinder (und Erwachsenen) strahlt. Dann werden die Geschichten erzäehlt, in denen Ania ihre Mission erhält, nämlich in den Menschen den Respekt und die Liebe zur Natur wiederzuentdecken. Wenn das verstanden ist, hat man schon halb gewonnen, weil die Kids dabei natürlich mithelfen wollen. Und, tadaa, dafür hat Ania doch auch gleich den richtigen Weg parat, nämlich eine Tierra de Niños anlegen, und damit ein kleines Stück Erde schonmal retten. Dabei ist ganz wichtig, dass das die Kinder Protagonisten sind, damit sie sich im Prozess des Weltrettens wichtig fühlen und als fähig begreifen, einen Unterschied zu machen, auch wenn er klein ist. Nicht zuletzt will Ania ja auch Selbstbewusstsein und Kinderrechte unterstützen.
Es geht dann weiter damit, einen geeignetes Stück Erde zu suchen, das können auch ein paar Blumentöpfe sein, und die Erwachsenen dazu zu bringen, den Kindern dauerhaft dieses Stueck Erde zu übergeben, das wird auch alles schön wichtig und offiziell mit hübschen Urkunden und Unterschriften gemacht, wo die Eltern versprechen, den Kindern das Land nicht wieder wegzunehmen und die Kinder umgekehrt, dass sie sich gut kümmern werden, immer giessen und fleissig sähen wollen. Dann wird geplant, bei grösseren TiNis zumindest, da wird gebrainstormt, was alles reinmuss in die TiNi und was überhaupt und wenn ja wie umsetzbar ist, und daraus wird dann eine schöne Vision gemalt, gebastelt oder kollagiert. Motivationsphase zuende, und alles wird umgesetzt. Wenn die TiNi steht und läuft, muss das auch anerkannt werden, Urkunden, Besuche, Wettbewerbe, Medienaufmerksamkeit, alles schon vorgekommen. Die Anerkennung macht die Projekte nachhaltig, und bei einigen grösseren TiNis an Schulen bilden sich Komitees aus Schülern, die die Instandhaltung organisieren, und parallel gibt es Workshops rund um Gärtnern, Verschönern und Umweltschutz.
In dieser Phase bin ich grad mit der Schul-TiNi in San Pedro, nur dass, wie ja schon öfter geschildert, in der Motivationsphase offenbar was schiefgelaufen ist. Jetzt wo noch viele Baumwollkinder dasind, will ich das nutzen, um im BoNi gut voranzukommen und diesmal alles richtig zu machen, und hoffentlich auch die einheimischen Kinder genügend mitzureissen. Manchmal bin ich nämlich mit einem ganzen Haufen Kinder von ausserhalb unterwegs, und aus San Pedro ist nur die kleine Esperanza dabei. Macht allerdings nichts, auch das ist schon ein wichtiger Beitrag, und Esperanza heisst ausserdem Hoffnung :)
Samstag, 18. Februar 2012
Sonntag, 5. Februar 2012
De monos y chocolate.
Und wieder bin ich durch geschicktes Reisen nach Ecuador dem Erdbeben in Ica entkommen. Das Weltwärts-Zwischenseminar hat mich nach Misahuallí im tropischen Oriente geführt, durch die ganze wüste peruanische Costa, die doch nicht überall gleich aussieht und - mit den richtigen Augen gesehen - richtig schön sein kann, durch die ecuadorianischen Nebelwälder hoch nach Quito, das sich kalt und regnerisch, aber ruhig und sauber auf 2750 Metern Höhe präsentiert, nach Tena und von dort hinein in den Dschungel. Alles in guter Stimmung, mit Leuten aus aller Welt sprechend, tanzend, lesend, Choclo con Queso (Mais mit Käse) essend und Baby-Mangos aussaugend, vergehen die vier Tage Reise (one way) ganz gut :)
Delicias del Perú.
Mir ist aufgefallen, dass der Blog allzu oft einen zu bitteren Ton hat. Drum ist es notwendig, mal einen Eintrag lang NUR von schönen Dingen zu schreiben :)
Bestimmt einer der allerschönsten Orte hier sind die Huarangales, die Baumgrüppchen aus Huarangos am Fuß des Cerros. Der Sandboden ist dort überdeckt aus einem Teppich kleiner, weicher Blättchen, die Bäume spenden einen schönen kühlen Schatten und Don Lu
cho schenkt mir Wassermelonen, wann immer ich an seiner nahen Chakra vorbeikomme. Es ist schön ruhig, die Luft ist sauber, und rotbäuchige Turipilíne und grüngefiederte Loros fliegen durch die Zweige. Da werden sogar die Kids ruhig und hören sich friedlich die Ania-Geschichten an. Wenn ich ihnen verspreche, dass wir uns nachher im nahen Brunnen baden gehen.
Und dann ist da das peruanische Essen, von dem ich schon ganz lang schreiben will: da gibt es Causa Rellena, gefüllte Kartoffelmatsche, fritierte Yucca (viel leckerer als Pommes) Locro (leckerer Kürbiseintopf mit Käse), und Lomo Saltado (Rücken mit Kartoffel und Gemüse, von dem ich nur die Kartoffeln und Gemüse esse, was aber geschmacklich ganz genauso fein ist). Dann natürlich Avocado zu jeder Tageszeit, und all die frischen tropischen Früchte, Mango, Papya, Maracuya, Grenadilla, Naranjilla und Pfirsich - der Plan ist, hier soviel davon zu essen, dass mir der Spaß daran vergeht und ich daheim kein Importobst mehr kaufen muss. Carmens selbstgemachte Limonade ist herrlich erfrischend und in Chicha morada (Saft aus rotem Mais mit Limone) könnte ich mich baden. Und zum Nachtisch gibt es dann Arroz con Leche mit viel Zimt, Mazamorra (Pudding aus dem gleichen roten Mais) oder Picarones (Kringel mit süßem Honigsaft). Oh, und ich vergesse TacuTacu, Reis mit Bohnen und Ají (peruanischem Chili) und Papa a la Huancaína, Kartoffel mit Soße aus Huancayo, eins meiner Favoriten.Carmen kocht alles recht einfach, aber sehr lecker. Und mit vieeelen Kohlenhydraten. Die Suppe hat meist nicht nur Weizen, sondern auch Reis und manchmal Kartoffelstücke. Und wenn in der Suppe noch Nudeln fehlen, sind sie sicher im Hauptgang dabei. Inzwischen esse ich immer brav alles auf, auch den Salat und die Früchte hinterher, sehr zu Carmens und Gilbertos Freude. 
Dienstag, 17. Januar 2012
Dentro del Algodón.
Wieder in San Pedro. Die Kinder haben Ferien, und bleiben zu Hause, gelegentlich kommen ein paar um mit den Laptops zu spielen. Nachdem das nur drei Stück sind, nutze ich diese Gelegenheiten um mit denen, die gerade Pause haben, ein bisschen Projektarbeit zu machen und in der TiNi zu spielen und zu arbeiten. In ganz vielen Pflanzen sind die Samen gereift, und ich kann mich stunden lang mit meinem Kätzchen auf dem Schoß in den Schatten setzen und Radieschenschoten auspulen. Sehr meditativ.
Nachmittags besuche ich nach wie vor die Kids daheim. Im Februar findet der diesjährige TiNi-Wettbewerb statt, und vor allem in San Jacinto müssen einige Gärten ein bisschen auf Vordermann gebracht werden. Weil, Wasser ist knapp, und das Kind aus San Jacinto ist ja an sich schon faul, aber wenn es heißer Sommer ist und der nahe Brunnen trockengefallen ist, und man am Vormittag die ganze Zeit im Baumwollfeld war, sitzt man natürlich lieber am Fernseher als die Blumen mit Wasser von weit her zu gießen. Ich glaube, überhaupt der beste Beitrag zur (Umwelt-)Bildung in diesem Land wäre, die Fernsehsender zu besetzen und nur noch Sendung mit der Maus oder was anderes halbwegs sinnvolles auszustrahlen. Aus der Glotze lernen die Kids viel mehr als in der Schule.
Naja, jedenfalls hat jetzt mindestens Milenia schonmal wieder ein paar lebende Pflanzen bekommen und ein Tröpfchenbewässerungssystem, das vielleicht hoffentlich die Lösung ist.
Und dann sind wir jetzt dreimal die Woche im Cerro, um das mit dem Bosque de Ninyos voranzutreiben. Auch das ist allerdings nicht leicht, denn es gibt offenbar Menschen, denen es Freude bereitet, frisch gepflanzte Bäumchen ausreißen und im Sand sterben zu lassen. Ich arbeite noch daran, das zu verstehen. Zum Glück ist Hilfe aus den Bergen gekommen. Die Baumwollkinder sind superlieb und sehr motiviert, die Bäumchen zu gießen, wenn man ihnen danach ein Bad im Brunnen in Aussicht stellt.
In Wirklichkeit ist das mit der Baumwolle nämlich auch garnicht so wild. Heute hab ich selbst mitgepflückt, und ich habs allen gezeigt, dass auch Gringas Baumwollpflücken können. Man stürzt sich zwischen die dicht stehenden Pflanzen und sammelt alles weiße und flauschige ein und stopft es in den Sack, den man sich um die Hüfte gebunden hat. Ganz leicht. Der Feind ist nur die Sonne, darum muss man schon um 5 in der Früh anfangen, und die Stupidität der Aufgabe, die mir noch wie Entspannung vorkam, sich aber nach drei Pflückmonaten sehr wahrscheinlich in pure Langeweile verwandelt. Achja, und die indische Baumwolle, die wegen irgendeinem blöden Freihandelsabkommen billig ins Land kommt und die Kleinbauern in San Pedro in den Wahnsinn treibt. Für die 75 Pfund Baumwolle, die ich in den 7 Stunden gepflückt habe, habe ich nämlich gerade mal 15 Sol bekommen. Zum Glück bin ich nich drauf angewiesen...
So bin ich wieder um eine Erfahrung reicher aus der vida campesina, wobei noch erwähnt werden muss, dass ich inzwischen auch Eselgeritten bin und wohl erstmalig legal Feigengeraubt hab. Und eine illegale Melone, mit den Kids. Die werden mir zwar normalerweise auch geschenkt, wenn ich nur am Melonenfeld vorbeilaufe, aber so wars viel aufregender :)
Nachmittags besuche ich nach wie vor die Kids daheim. Im Februar findet der diesjährige TiNi-Wettbewerb statt, und vor allem in San Jacinto müssen einige Gärten ein bisschen auf Vordermann gebracht werden. Weil, Wasser ist knapp, und das Kind aus San Jacinto ist ja an sich schon faul, aber wenn es heißer Sommer ist und der nahe Brunnen trockengefallen ist, und man am Vormittag die ganze Zeit im Baumwollfeld war, sitzt man natürlich lieber am Fernseher als die Blumen mit Wasser von weit her zu gießen. Ich glaube, überhaupt der beste Beitrag zur (Umwelt-)Bildung in diesem Land wäre, die Fernsehsender zu besetzen und nur noch Sendung mit der Maus oder was anderes halbwegs sinnvolles auszustrahlen. Aus der Glotze lernen die Kids viel mehr als in der Schule.
Naja, jedenfalls hat jetzt mindestens Milenia schonmal wieder ein paar lebende Pflanzen bekommen und ein Tröpfchenbewässerungssystem, das vielleicht hoffentlich die Lösung ist.
Und dann sind wir jetzt dreimal die Woche im Cerro, um das mit dem Bosque de Ninyos voranzutreiben. Auch das ist allerdings nicht leicht, denn es gibt offenbar Menschen, denen es Freude bereitet, frisch gepflanzte Bäumchen ausreißen und im Sand sterben zu lassen. Ich arbeite noch daran, das zu verstehen. Zum Glück ist Hilfe aus den Bergen gekommen. Die Baumwollkinder sind superlieb und sehr motiviert, die Bäumchen zu gießen, wenn man ihnen danach ein Bad im Brunnen in Aussicht stellt.
In Wirklichkeit ist das mit der Baumwolle nämlich auch garnicht so wild. Heute hab ich selbst mitgepflückt, und ich habs allen gezeigt, dass auch Gringas Baumwollpflücken können. Man stürzt sich zwischen die dicht stehenden Pflanzen und sammelt alles weiße und flauschige ein und stopft es in den Sack, den man sich um die Hüfte gebunden hat. Ganz leicht. Der Feind ist nur die Sonne, darum muss man schon um 5 in der Früh anfangen, und die Stupidität der Aufgabe, die mir noch wie Entspannung vorkam, sich aber nach drei Pflückmonaten sehr wahrscheinlich in pure Langeweile verwandelt. Achja, und die indische Baumwolle, die wegen irgendeinem blöden Freihandelsabkommen billig ins Land kommt und die Kleinbauern in San Pedro in den Wahnsinn treibt. Für die 75 Pfund Baumwolle, die ich in den 7 Stunden gepflückt habe, habe ich nämlich gerade mal 15 Sol bekommen. Zum Glück bin ich nich drauf angewiesen...
So bin ich wieder um eine Erfahrung reicher aus der vida campesina, wobei noch erwähnt werden muss, dass ich inzwischen auch Eselgeritten bin und wohl erstmalig legal Feigengeraubt hab. Und eine illegale Melone, mit den Kids. Die werden mir zwar normalerweise auch geschenkt, wenn ich nur am Melonenfeld vorbeilaufe, aber so wars viel aufregender :)
Samstag, 7. Januar 2012
Cuzco und Costa
Feliz año! Da bin ich nun wieder in Ica, und Montag geht es dann auch mal wieder nach San Pedro, voll neuer Ideen und gut ausgeruht nach nun doch recht langen Ferien. Was seither geschah:
Die Heimreise aus dem Regenwald war schoen und spannend, aber garnicht gefaehrlich und ich bin kein bisschen ausgeraubt und ueberhaupt nicht ueberfallen worden. Zurueck ueber die Interoceanica mitten durch den Dschungel und ueber viele, viele Speedbumps. In Puerto Maldonado war diesmal auch Zeit fuer einen Rundgang und die Besichtigung einer TiNi in einem grossartigen Oeko-Resort, aber leider keine Zeit zum Verweilen und fuer das Ayahuascaritual - ein Grund mehr zurueckzukommen (Abschiede in Peru sind sowieso recht ruhig, statt Sentimentalitaet zu schieben fragen sie mich lieber, wann ich das naechste Mal wiederkomme).
Dann eine Nachtfahrt hoch nach Cuzco, fuer das ich mir diesmal einen Tag Zeit nehme. Mit ein paar Brasilianern aus dem Bus erkunde ich die huebsche Plaza de Armas mit den schiefen Stufen, den Markt (fuer Fruehstueck und Handicraft-Shopping) und Qoricancha, ein Kloster auf Inkamauern, von denen allerdings enttaeuschend wenig uebrig ist. Dann trennen wir uns, weil die ein bisschen lahm sind und ich so w
Ueber Silvester dann Costa, ich fahre mit Lucho und einigen Freunden nach Chincha an den Strand, Delfine gucken, Muscheln sammeln, Lagerfeuer, Gitarre, Pisco. Erstmalig tunke ich meine Fuesse in den Pazifik, und wegen Wind, starker Bewoelkung und dem daraus resultierenden Nordseefeeling bleibt es zunaechst auch. An Neujahr aber kommt auch die Sonne zurueck, und das Jahr beginnt mit einem herrlich erfrischenden Bad mit tollen Wellen und anschliessendem Nutellafruestueck (wenn man bezahlen will, kriegt man hier naemlich durchaus alles, was das Herz begehrt, und man goennt sich ja sonst nix :).
Kaum in Ica zurueck, muss Lucho auch schon wieder nach Lima, und ich fahre mit, in der Hoffnung, auch noch die schoenen Seiten dieser laermigen Wuestenstadt zu entdecken. Meine Hoffnung wird erfuellt, tatsaechlich findet man auf gezieltes Suchen noch die huebschen Kolonialbauten mit spanischen Balkonen und maurischen Arabesken, Parks mit wilden Kunstwerken und Wasserspielen nebst der dazugehoerigen Ausstellung zur fatalen Wassersituation in der Region. Ich bin wohl eine der wenigen, die wirklich aufmerksam stehenbleibt, aber immerhin zwinge ich Lucho dazu, einige der Texte zu lesen :)
Und schliesslich lerne ich auch endlich Huacachina kennen, die bei Ica gelegene (inzwischen kuenstlich am Leben erhaltene) Lagune, ein altes Kurbad zwischen Sandduenen, das seine Heilwirkung zwar verloren hat, nichtsdestotrotz aber langsam von Hippies und Weltenbummlern erobert wird. It's all happening!
Sonntag, 25. Dezember 2011
Verde infinito y lluvias tropicales.
Tropical Rainstorm. Wir sitzen im Haus des Gastonkels, der passenderweise Abraham heisst, und koenen nicht raus, weil es wie wild regnet und stuermt und die Strassen sich ob der Ueberflutung in reine Matschpisten verwandelt haben, die einem die Flipflops ausziehen. Schoen, dass Abraham Internet hat, das ein bisschen funktioniert.
Die Tage im Regenwald gehen zu Ende, ueber Silvester will ich zurueck an die Kueste und am Strand ins neue Jahr feiern, bevor im Januar die Arbeit in San Pedro weitergeht. Ich hatte hier viel Spass und hab mich schoen erholt - wie angedeutet, ist das Leben in den Tropen durch die natuerlichen Widrigkeiten (immense Schwuele, die den Organismus laehmt und besagter Regen, der einem im Haus gefangenhält) schoen ruhig und langsam. Wir haben nur unwesentlich im Projekt weiterarbeiten koennen, weil auch der Weg zum hiesigen Bosque de Niños, der gerade im Entstehen ist, nicht geteert ist und es schon laengere Zeit trocken sein muss, damit er zugaenglich ist, und wir konnten nur einmal hinfahren. Dafuer haben wir aber gleich zwei Weihnachtsfeiern mit den Kids im Dorf gemacht, mit Chocolatada und Kuchen und Villancicos (Weihnachtslieder). Zwar ohne Geschenke, aber das find ich okay - in Peru ist es ueblich, dass reiche Leute oder Firmen an Weihnachten die Chocolatadas spendieren und haessliches Plastikspielzeug an die Kinder verteilen, aber meine Erfahrung in San Pedro hat gezeigt, dass 50% davon ohnehin nicht langer als zwanzig Minuten ueberlebt und die Niños sowieso nie zufrieden mit den Geschenken sind.
Obwohl wir nur begrenzt mobil waren, war der Aufenthalt unglaublich interessant. Erstmal war das, was ich vom Regenwald gesehen habe, ganz wunderbar, es ist wirklich so, dass man eintritt in ein unglaubliches und ohne Machete undurchdringbares Dickicht aus GRÜN. Ausser den Mosquitos kannte ich keine einzige der Millionen Arten. Lianen sind grossartige Spielgeraete und heruntergefallene Samen schoene Bastelgegenstaende. Was der Regenwald bereitwillig gibt, ist grenzenlos, wir haben im Boni frische Paranuesse und Ananas geerntet, in der Schreinerei eines Gastonkels wunderschoenes Kaobaholz bearbeitet, Karambolamarmelade gekocht und den leckersten Mangosaft ever getrunken. Der Dschungel beginnt gleich hinter dem Haus, aber auf der Fahrt hierher habe ich auch weite, garnicht mal haessliche Weideflaechen mit richtig huebschen weissen Rindern darauf gesehen, die dem Wald durch Kahlschlag oder Brandrodung abgerungen wurden. Das Boniprojekt soll dem Abhilfe schaffen, dass ein Grossteil der Kinder im Dorf die Vebidnung zur Natur vollkommen verloren haben und teilweise noch nie wirklich im Wald waren.
Lange Gespraeche mit der hiesigen Familie, in die ich auch sofort aufgenommen wurde, haben mich aber durchaus hoffnungsvoll gestimmt. Gastonkel Abraham, der im Holzbusiness taetig ist, arbeitet offenbar mit 3 verschiedenen Zertifizierungssystemen fuer sein Holz(das beruehmte FSC und zwei andere, die mir unbekannt waren), verkauft CO2-Emissionszertifikate und macht damit so viel Geld, dass er diese krasse Regenwaldvilla bauen kann, in der wir wohnen, Klimaanlage, europaeisch ausgestatteter Kueche, wunderbaren regional hergestellten Holzmoebeln und Lodgekomfort, den ich mir sonst niemals leisten wuerde. Bruder Javier und er koennen stundenlang von Naturschoenheit und nachhaltiger Forstwirtschaft sprechen, und trotz der verwegenen Bildungssituation im Regenwaldgebiet (bevor es den Interoceanic Highway gab, waren es mehrere Tagesreisen zur Uni in Puerto Maldonado) Goethe und Descartes zitieren.
Beide sind voellig begeistert von mir und Abraham wuerde mich am liebsten gleich hierbehalten, um mich in seinen Oekotourismus- und Bildungsprojekten anzustellen (ich bin offenbar erst die vierte Person mit Universitätsabschluss, die in Iñapari aufkreuzt). Aber das muss ich mir doch genau ueberlegen, so viel Begeisterung ist auch ein bisschen creepy. Und alle Ueberzeugung hat Grenzen - wenn ich hoeflich darauf hinweise, dass man noch viel mehr Emissionszertifikate verkaufen koennte, wenn man den Rechner nicht die ganze Nacht laufen laesst und das Auto nicht 10 Minuten warmlaufen laesst, bekomme ich ein mildes, uneinsichtiges Laecheln und die Phrase "Yo soy carboneutro" (ich bin CO2-Neutral), und Punkt.
Es war ausserdem auch ziemlich cool, mal wieder mit Deutschen zusammen zu sein, erst nach drei Monaten beinaher Totalkarenz wird einem klar, wie schoen die Muttersprache ist. Connie, Milena und ich verstehen uns wunderbar, wir haben lange Naechte mit dem Erfinden neuartiger Piscokombinationen zugebracht und dabei hemmungslos sinnfreie Phrasen gedroschen und alberne deutsche Wortwitze gerissen. Die meiste Zeit haben wir - abgesehen von zahlreichen netten Besuchen von Freunden und Familie - alleine auf das Haus hier aufgepasst, weil Abraham verreist war, und es entstand ein sehr lustiges WG-Feeling.
Heiligabend waren wir erst bei der Gastoma zum sehr interessanten brasilianisch-peruanischen Festessen, zu dem wir Kartoffelpuffer und Apfelmus beigesteiert haben, dann in der Dorfdisco zu peruanisch-bolivianischer Cumbia und brasilianischem Forró. Zum Glueck sind alle suedamerikanischen Taenze super einfach zu lernen, einfach von einem Fuss auf den anderen treten und wild mit der Huefte wackeln, und wir kamen wunderbar klar. Wenn auch die eigene Familie fehlt und ob der voelligen Absenz von Kaelte und Schnee die typische Weihnachtsstimmung nicht so richtig aufkommen wollte, hatten wir una buena fiesta, und ich schicke nochmal in Gedanken abrazos an alle um den Globus, con todo el amor y el cariño del mundo.
Die Tage im Regenwald gehen zu Ende, ueber Silvester will ich zurueck an die Kueste und am Strand ins neue Jahr feiern, bevor im Januar die Arbeit in San Pedro weitergeht. Ich hatte hier viel Spass und hab mich schoen erholt - wie angedeutet, ist das Leben in den Tropen durch die natuerlichen Widrigkeiten (immense Schwuele, die den Organismus laehmt und besagter Regen, der einem im Haus gefangenhält) schoen ruhig und langsam. Wir haben nur unwesentlich im Projekt weiterarbeiten koennen, weil auch der Weg zum hiesigen Bosque de Niños, der gerade im Entstehen ist, nicht geteert ist und es schon laengere Zeit trocken sein muss, damit er zugaenglich ist, und wir konnten nur einmal hinfahren. Dafuer haben wir aber gleich zwei Weihnachtsfeiern mit den Kids im Dorf gemacht, mit Chocolatada und Kuchen und Villancicos (Weihnachtslieder). Zwar ohne Geschenke, aber das find ich okay - in Peru ist es ueblich, dass reiche Leute oder Firmen an Weihnachten die Chocolatadas spendieren und haessliches Plastikspielzeug an die Kinder verteilen, aber meine Erfahrung in San Pedro hat gezeigt, dass 50% davon ohnehin nicht langer als zwanzig Minuten ueberlebt und die Niños sowieso nie zufrieden mit den Geschenken sind.
Obwohl wir nur begrenzt mobil waren, war der Aufenthalt unglaublich interessant. Erstmal war das, was ich vom Regenwald gesehen habe, ganz wunderbar, es ist wirklich so, dass man eintritt in ein unglaubliches und ohne Machete undurchdringbares Dickicht aus GRÜN. Ausser den Mosquitos kannte ich keine einzige der Millionen Arten. Lianen sind grossartige Spielgeraete und heruntergefallene Samen schoene Bastelgegenstaende. Was der Regenwald bereitwillig gibt, ist grenzenlos, wir haben im Boni frische Paranuesse und Ananas geerntet, in der Schreinerei eines Gastonkels wunderschoenes Kaobaholz bearbeitet, Karambolamarmelade gekocht und den leckersten Mangosaft ever getrunken. Der Dschungel beginnt gleich hinter dem Haus, aber auf der Fahrt hierher habe ich auch weite, garnicht mal haessliche Weideflaechen mit richtig huebschen weissen Rindern darauf gesehen, die dem Wald durch Kahlschlag oder Brandrodung abgerungen wurden. Das Boniprojekt soll dem Abhilfe schaffen, dass ein Grossteil der Kinder im Dorf die Vebidnung zur Natur vollkommen verloren haben und teilweise noch nie wirklich im Wald waren.
Lange Gespraeche mit der hiesigen Familie, in die ich auch sofort aufgenommen wurde, haben mich aber durchaus hoffnungsvoll gestimmt. Gastonkel Abraham, der im Holzbusiness taetig ist, arbeitet offenbar mit 3 verschiedenen Zertifizierungssystemen fuer sein Holz(das beruehmte FSC und zwei andere, die mir unbekannt waren), verkauft CO2-Emissionszertifikate und macht damit so viel Geld, dass er diese krasse Regenwaldvilla bauen kann, in der wir wohnen, Klimaanlage, europaeisch ausgestatteter Kueche, wunderbaren regional hergestellten Holzmoebeln und Lodgekomfort, den ich mir sonst niemals leisten wuerde. Bruder Javier und er koennen stundenlang von Naturschoenheit und nachhaltiger Forstwirtschaft sprechen, und trotz der verwegenen Bildungssituation im Regenwaldgebiet (bevor es den Interoceanic Highway gab, waren es mehrere Tagesreisen zur Uni in Puerto Maldonado) Goethe und Descartes zitieren.
Beide sind voellig begeistert von mir und Abraham wuerde mich am liebsten gleich hierbehalten, um mich in seinen Oekotourismus- und Bildungsprojekten anzustellen (ich bin offenbar erst die vierte Person mit Universitätsabschluss, die in Iñapari aufkreuzt). Aber das muss ich mir doch genau ueberlegen, so viel Begeisterung ist auch ein bisschen creepy. Und alle Ueberzeugung hat Grenzen - wenn ich hoeflich darauf hinweise, dass man noch viel mehr Emissionszertifikate verkaufen koennte, wenn man den Rechner nicht die ganze Nacht laufen laesst und das Auto nicht 10 Minuten warmlaufen laesst, bekomme ich ein mildes, uneinsichtiges Laecheln und die Phrase "Yo soy carboneutro" (ich bin CO2-Neutral), und Punkt.
Es war ausserdem auch ziemlich cool, mal wieder mit Deutschen zusammen zu sein, erst nach drei Monaten beinaher Totalkarenz wird einem klar, wie schoen die Muttersprache ist. Connie, Milena und ich verstehen uns wunderbar, wir haben lange Naechte mit dem Erfinden neuartiger Piscokombinationen zugebracht und dabei hemmungslos sinnfreie Phrasen gedroschen und alberne deutsche Wortwitze gerissen. Die meiste Zeit haben wir - abgesehen von zahlreichen netten Besuchen von Freunden und Familie - alleine auf das Haus hier aufgepasst, weil Abraham verreist war, und es entstand ein sehr lustiges WG-Feeling.
Heiligabend waren wir erst bei der Gastoma zum sehr interessanten brasilianisch-peruanischen Festessen, zu dem wir Kartoffelpuffer und Apfelmus beigesteiert haben, dann in der Dorfdisco zu peruanisch-bolivianischer Cumbia und brasilianischem Forró. Zum Glueck sind alle suedamerikanischen Taenze super einfach zu lernen, einfach von einem Fuss auf den anderen treten und wild mit der Huefte wackeln, und wir kamen wunderbar klar. Wenn auch die eigene Familie fehlt und ob der voelligen Absenz von Kaelte und Schnee die typische Weihnachtsstimmung nicht so richtig aufkommen wollte, hatten wir una buena fiesta, und ich schicke nochmal in Gedanken abrazos an alle um den Globus, con todo el amor y el cariño del mundo.
Donnerstag, 22. Dezember 2011
Iñapari
Okay, nach schlappen 10 Minuten Ladezeit hat sich jetzt das Blogfenster geoeffnet, nachdem alle Versuche mich ueber Mail oder Facebook zukommunizieren an dem Schneckeninternet gescheitert sind. Macht aber nichts, im Regenwald ist es heiss, und schwuel, der Organismus arbeitet langsam, man hat Zeit.
Das ist sehr entspannend, nachdem die Reise hierher mit gut 40 Stunden im Bus doch ein bisschen geschlaucht hat. Mit dem ersten Bus nach Santiago, dort 5stuendiger Aufenthalt wegen Strassenblockade der Baumwollbauern, nach Cuzco, nach nur einer Stunde weiter nach Puerto Maldonado, dort auf dem Motorradtaxi zum Collectivobahnhof, mit einem Colectivo nach Iberia, mit einem anderen nach Iñapari. Nachdem ich die Fahrt durch die Berge fast komplett verschlafen habe, bin ich hellwach, um meinen ersten in vivo-Eindruck vom Regenwald in mich aufzunehmen. Und es ist sehr schoen, wild, gruen, und schwuel, und gruen. Die Strasse erstaunlich gut, nichts von Sand/Schlammpiste, dann Iñapari, wo mich Milena und Connie, die anderen beiden Weltwaertsfreiwilligen in Peru, lieb an der sehr neten Polizeikontrolle abholen (wir sind hier genau an der Grenze zwischen Peru Basilien un dBolivien). Und ich bin froh, mal wieder viel vertrautes Deutsch zu hoeren, und stolz, auf der Reise weder mich verfahren noch ueberfallen worden zu sein.
Die naechsten Tage werde ich im hiesigen Aniaprojekt mithelfen, in den Dschungel gehen, Regenguesse abbekommen, und chillen, weil wie gesagt hier alle Prozesse sehr langsam laufen,. Und natuerlich vegetarisch Weihnachten feiern und dabei liebvoll an euch denken.
Das ist sehr entspannend, nachdem die Reise hierher mit gut 40 Stunden im Bus doch ein bisschen geschlaucht hat. Mit dem ersten Bus nach Santiago, dort 5stuendiger Aufenthalt wegen Strassenblockade der Baumwollbauern, nach Cuzco, nach nur einer Stunde weiter nach Puerto Maldonado, dort auf dem Motorradtaxi zum Collectivobahnhof, mit einem Colectivo nach Iberia, mit einem anderen nach Iñapari. Nachdem ich die Fahrt durch die Berge fast komplett verschlafen habe, bin ich hellwach, um meinen ersten in vivo-Eindruck vom Regenwald in mich aufzunehmen. Und es ist sehr schoen, wild, gruen, und schwuel, und gruen. Die Strasse erstaunlich gut, nichts von Sand/Schlammpiste, dann Iñapari, wo mich Milena und Connie, die anderen beiden Weltwaertsfreiwilligen in Peru, lieb an der sehr neten Polizeikontrolle abholen (wir sind hier genau an der Grenze zwischen Peru Basilien un dBolivien). Und ich bin froh, mal wieder viel vertrautes Deutsch zu hoeren, und stolz, auf der Reise weder mich verfahren noch ueberfallen worden zu sein.
Die naechsten Tage werde ich im hiesigen Aniaprojekt mithelfen, in den Dschungel gehen, Regenguesse abbekommen, und chillen, weil wie gesagt hier alle Prozesse sehr langsam laufen,. Und natuerlich vegetarisch Weihnachten feiern und dabei liebvoll an euch denken.
Abonnieren
Posts (Atom)